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Tagebuch von Joachim

Fahrradreise von Rostock nach Berlin

Vom 03. Juni bis 09. Juni 2004

Das Team: Reiner, Christoph, Joachim, Michael, Peter

1. Tag - Donnerstag, 03. Juni 2004

Von Rostock nach Bützow


Zu unserer geplanten Fahrradreise verabreden wir uns auf dem Bahnhof Friedrichstrasse um 9.45 Uhr. Wir wollen um 10.21 Uhr mit dem Regionalzug nach Rostock fahren. Nach 10 Uhr ist es billiger. Peter hat sich genau informiert und alles sehr gut organisiert. So kostet uns die Reise dank Peter nur 59 Euro einschließlich Fahrrad, das ist für jeden 11,80 Euro. Das ist mehr als preiswert.

Das Wetter ist schön, blauer Himmel mit weißen Schäfchenwölkchen und es sind um 9 Uhr 15°C. Das ist nicht sehr warm. Ich bin etwas erkältet und überlege, ob ich mit dem Fahrrad zum Bahnhof fahren soll. Es sind nur 10 km, das Wetter ist gut und ich hoffe es wird noch wärmer, also entschließe ich mich mit dem Fahrrad zum Bahnhof Friedrichstrasse zu fahren. Als ich pünktlich ankomme sind alle schon da. Sie sehen alle gut aus. Reiner und Christoph mit Helm und im Rennfahrerdress, Peter und Micha mit Basecap und ebenso sportlich, nur ich sehe aus wie eine Nachtjacke. Sie sind alle gut drauf, und ich freue mich darüber.


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Als gegenüber ein doppelstöckiger Regionalzug hält, informiert sich Peter, wo wir mit den Fahrrädern einsteigen können, bei der Zugbegleiterin erkundigt er sich, wie viele Fahrräder mitfahren können. Sie meint, bei guter Stapelung können 10 Fahrräder transportiert werden. Pünktlich um 10.21 Uhr kommt unser Zug, es ist ein neuer doppelstöckiger Regionalzug. Da wir Bescheid wissen, steigen wir ohne Probleme mit Sack und Pack ein.


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In unserem Fahrradabteil befindet sich eine Behindertentoilette neuester Bauart. Sie hat eine Schiebetür ohne Klinke, Griff oder Knopf, nur einen elektronischen Berührungssensor. Für die Leute, die diese Toilette besuchen ist das ein Problem. Sie suchen nach irgendeiner Möglichkeit die Tür zu öffnen. Wenn sie den Sensor endlich gefunden haben, sind sie ganz erleichtert, dass sich die Tür öffnet, aber sind gleich wieder enttäuscht, dass sich die Tür nicht schließt. Man muss innen an der Seite wieder einen Sensor berühren, dann schließt sich die Tür und nach einer Weile blinkt ein weiterer Sensor, den muss man ebenfalls berühren, dann verriegelt die Tür, wenn nicht, geht sie wieder auf. Wir haben unseren Spaß. Es erinnert mich ein bisschen an eine Fernsehsendung "Vorsicht Kamera". Bei einem Mann öffnet sich die Tür während er vor der Kloschüssel steht und pinkelt, und wir können ihm dabei zuschauen. Er macht ein verdutztes Gesicht und schaut auf fünf grinsende Radfahrer, er denkt sicher: "Verdammte neumodische Technik!" So vergeht die Zeit wie im Flug und wir kommen pünktlich auf die Minute um 13.21 Uhr in Rostock an.


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Es ist immer noch schönes Wetter und die Temperatur ist auf 25°C gestiegen, es ist sehr schön warm. Vor dem Bahnhof müssen wir uns erst einmal orientieren, in welche Richtung wir müssen. Peter hat seine Karte ausgepackt und versucht sich zurecht zu finden. Der Ausschnitt von Rostock auf seiner Karte ist sehr klein und er kann nicht viel sehen.

Auf dem Bahnhofsvorplatz ist aber eine große Übersichtskarte auf der wir uns informieren. Wir wollen eigentlich noch zum Überseehafen. Es sind 10 km in nördlicher Richtung und durch die Stadt und wir müssen wieder zurück, denn unserer Radwanderweg führt nach Süden. Wir brauchen mit Hafen anschauen wenigsten zwei Stunden. Die Zeit ist zu knapp und so entscheiden wir die erste Etappe sofort anzufahren und auf den Überseehafen zu verzichten.

Der Ort heißt Bützow und es sind 38 km bis dahin. Es ist jetzt 13.45 Uhr und wir fahren los. Die Vier legen ein Tempo vor und ich habe Mühe hinterher zu kommen. Micha hat das wohl gemerkt und hält an. Er fragt ob das Tempo so OK ist? Ich bitte um etwas weniger Tempo. Alle sind einverstanden. Der Weg ist gut, asphaltierter Radweg erst neben der Autostrasse, dann durch Wald und Feld. Es fährt sich angenehm. Micha fährt neben mir und wir quatschen ein bisschen. Ich trete mich langsam ein. Mein doofer Fahrradcomputer von Lidl fällt aus, er zeigt nur noch die Temperatur an, Mist!


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Wir sind um 16.45 Uhr in Bützow. Als erstes müssen wir uns eine Unterkunft suchen. Der Ort hat keine Touristikinformation und so wälzen Peter und Micha ihre Karten. Sie stellen fest, dass es nur drei Hotels in der Nähe gibt. Ein Hotel hat die Kategorie sieben und fällt daher weg, pro Nase 70 Euro! Das zweite fällt auch weg, es wird renoviert. Bleibt nur noch das Dritte. Wir finden es nicht gleich und verfahren uns. Nach zweimaligen herauf und herunterfahren der Hauptstrasse haben wir es gefunden. Es nennt sich großspurig, "Bötzower Hof" und ist geschlossen. Das ist ja ‚n Ding! An der Tür hängt ein Schild, auf dem steht: "Im Porzellangeschäft gegenüber melden!" Die Frau ist sehr nett und ruft sofort an. Wir gehen wieder zurück und es öffnet uns ein Mann, der uns erklärt, das Hotel wäre voll aber er hätte noch ein Doppelzimmer und ein Dreibettzimmer. Na das reicht uns ja!

Überraschung! Die Zimmer sind ein Witz. Das Doppelzimmer ist Mini, aber mit Dusche. Das Dreibettzimmer ist ebenfalls Mini und die Dusche und Toilette ist auf dem Flur. Der Boden in dem Zimmer fällt nach links mindestens um drei Grad ab, also nee, ein schiefer Fußboden! Die Höhe ist höchsten 2,20m, da wird bestimmt die Luft knapp, bei drei Leuten! Es ist die letzte Touristenklasse, danach kommt nur noch Hühnerstall. Billig ist es auch nicht, 20 Euro pro Nase für das Dreierzimmer und 25 Euro für das Doppelte. Aber wir haben keine Lust mehr weiter zu fahren und so entscheiden wir, für eine Nacht wird's gehen. Micha und ich nehmen das Doppelzimmer, Peter, Christoph und Reiner das Dreibetzimmer.


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Das Hotel hat einen Hof in dem man sitzen kann, mit Bänken und Tischen und einer ehemaligen Scheune, dort können wir unsere Fahrräder unterstellen. Eigentlich sehr hübsch. Wir packen aus, dann sehen wir uns die Stadt an. Es ist eine alte deutsche Kleinstadt, wie es viele gibt. Sie hat viele enge Gassen, eine alte Kirche mit einem schiefen Turm, ein wunderschön restauriertes Rathaus und zwei Apotheken. Wir haben Hunger und essen in dem Hotel mit der Kategorie sieben, es heißt "Hotel am Markt." Wir setzen uns auf die Terrasse im Innenhof. Das Essen ist prima, das Bier auch und die Bedienung ist sehr nett. Wir sind zufrieden. Wir diskutieren über Deutschlands Politik, Fußball, Gesetze und Justiz. Wir sind uns alle einig, das das Strafmaß für Kinderschänder zu gering ist. Wir gehen zurück in unser Hotel und werfen noch mal einen Blick in den Hof. Er gefällt uns gut, sehr idyllisch und so beschließen wir noch einen "Gutenachtbecher" zu trinken. Wir klönen noch ein bisschen, damit endet unser Tag.


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Meine Erkältung hat sich nicht gebessert, ich bin ganz heiser, mir versagt die Stimme, ich hoffe morgen wird es besser. Peter tröstet mich und meint, Frauen finden solche heiseren Stimmen sexy. Ich schlafe elendig schlecht. Ich wache mehrmals auf. Meine Nase ist zu und meine Kehle trocken. Ich trinke Wasser und wälze mich hin und her. Neben mir atmet Micha schwer. Plötzlich hört er auf zu atmen. Ich denke an meine Frau, sie hört manchmal im Schlaf auch auf zu atmen. Ich nehme mir vor, bis zehn zu zählen und ihn dann zu wecken, aber er atmet weiter, Gott sei Dank! Puuh! Irgendwann schlafe ich doch noch ein.

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