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Tagebuch von Joachim
Fahrradreise von Rostock nach Berlin
Vom 03. Juni bis 09. Juni 2004
Das Team:
Reiner, Christoph, Joachim, Michael, Peter
6. Tag - Dienstag, 08. Juni 2004
Von Reinsberg nach Zehdenick
Ich bin wach und schaue auf meine Armbanduhr, es ist 6.30 Uhr. Ich habe wieder nicht besonders geschlafen. Meine Erkältung ist schon besser, die Tabletten von der netten Apothekerin fangen an zu wirken, aber mein Hals fühlt sich immer noch an wie Papier und ich bin immer noch etwas heiser und die Nase ist immer noch zu. Ich nuschle noch so vor mich hin und warte, dass Michas Wecker piept. Als ich zu Micha hinüber schaue ist er auch schon wach. Wir wünschen uns einen guten Morgen und fragen uns gegenseitig wie wir geschlafen haben. Micha steht immer als erster auf und schaut aus dem Fenster nach dem Wetter. "Ich glaube es wird schön," meint er. Ich hoffe er hat recht.
Unser morgendlicher Ablauf ist wie immer, auch Reiner klopft wie immer an unsere Tür, er ist wie immer fertig und fragt: "Na Jungs seid ihr fertig?" Er fordert mich auf, auch wie immer, nun man hinne zu machen, ich bin natürlich, auch wie immer, noch in Unterhosen. Die schnellsprechende Mutti hat uns ein gutes Frühstück gemacht. Sie hat alles fertig. Wir brauchen uns nur hin zusetzen und zu essen.
Als ich meine Satteltaschen herunter trage sehe ich Reiner und Christoph gebeugten Kopfes auf die Erde starren. Ich vermute sie beobachten Ameisen. Als ich näher komme und frage was sie da beobachten, erklären sie mir, sie suchen einen Splint. Christoph erklärt mir, das er seine Bremsbeläge auswechselt und es Cardriges seien und die werden mit einem Splint gesichert.
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Er schimpft auf den Hersteller dieser Bremsbelege, denn dieser wäre verpflichtet neue Splinte beizulegen. "Ach watt!" Micha und Peter kommen hinzu. Alle suchen wir jetzt, mit der Nase an der Erde, nach dem dusseligen Splint. Micha und ich frozzeln Christoph an, ob er die Beläge vielleicht vor der Fahrt hätte wechseln können, zum Beispiel zu Hause? Er meint sie wären noch nicht ganz runter gewesen. Ja, ja, war noch für'n Cent Gummi drauf! Er hat sich von der Werbung "Geiz ist geil" beeinflussen lassen! Micha ist der Retter, er findet den Splint, alles auf grün, es kann losgehen.
Micha scheint recht zu behalten, das Wetter wird gut, es ist erst 10 Uhr und es sind schon 20°C. Peter gibt wie immer die Richtung vor und wir folgen wieder. Der Weg ist gut, teilweise ganz neu asphaltiert und wir können nebeneinander fahren, wir rollen zügig dahin. Christoph meint wir sind schön schnell, Durchschnittsgeschwindigkeit 17km/Std, das ist prima. Nach 20 km machen wir Rast an einer Pferdekoppel. Die Pferde, es sind zwei Ponys, kommen an den Zaun und begutachten uns. Wir haben leider keinen Zucker, den sie sicher mögen.
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Christoph gibt bekannt, das es nur noch wenige Kilometer sind, dann würde sein Computer auf 17000 km springen, soviel hätte er mit seinem Fahrrad in zweieinhalb Jahren gefahren. Wir sind alle der Meinung, das ist Spitze! Es ist warm, 22°C und es macht Spaß zu fahren, mir besonders, denn es gibt keine großen Steigungen.
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Wir erreichen Mildenberg, es ist eine alte still gelegte Ziegelei und unser Radwanderweg führt durch diese Ziegelei.
Sie war mal die größte Europas, so steht es auf dem Schild am Eingang, jetzt ist es ein Museum und man kann es besichtigen. Man braucht nicht durch das Gelände laufen, denn man hat die Loren, mit dem man früher das Material befördert hat umgebaut und mit Sitzen versehen. Die Loren werden von einer kleinen Diesellok gezogen und man wird durch das Gelände gefahren. Wir haben aber nicht so viel Zeit die Ziegelei zu besichtigen.
Peter kauft sich an der Kasse wieder mal ein Eis. Eis ist seine große Leidenschaft. Er fordert mich auf, auch ein Eis zu kaufen und grinst. Als ich verständnislos gucke, sagt er: "Es lohnt sich." Als ich die sehr junge Frau an der Kasse sehe, die auch das Eis verkauft, weiß ich was er meint. Sie ist ausgesprochen hübsch und ihre Freundlichkeit wirkt echt. Peter und ich wundern uns, was solch ein Mädchen in einer Ziegelei macht und warum sie noch keiner für Film und Fernsehen entdeckt hat. Genug gestaunt, wir müssen weiter.
Wieder ein irreführendes Hinweisschild, Peter und Micha merken es sofort, es ist die Richtung nach Kopenhagen. Also umdrehen und anders lang. Es geht die Havel entlang und ein Stück durch den Wald. Peter und Christoph fahren weit vor uns. Mit einem mal halten sie an. Als wir näher kommen und fragen was los sei, hält Christoph stolz seinen Computer hoch und ruft freudig: "Siebzehntausend!" Das ist toll! Peter holt seine Kamera heraus und fotografiert das Ereignis.
Wir erreichen Zehdenick. Um in die Stadt zu kommen, müssen wir noch über sehr komische Brücken, sie werden Kamelbrücken genannt. Ich bin auch ein Kamel, denn ich falle mit meinem Fahrrad beim hinauf schieben in das Brückengeländer und reiße mir meinen Computer ab. So eine K......! Wir suchen und finden die Touristikinformation. Peter und Micha machen wieder Quartier. Wir kommen preisgünstig unter im Hotel Clement. Wieder ein Doppel und ein Dreierzimmer. Hier haben die Zimmer Blumennamen, das hatten wir noch nicht. Unser Doppelzimmer heißt Magerritte und das Zimmer der Drei heißt Nelke, wie hübsch!
Es ist unsere letzte Unterkunft, denn Morgen endet unsere Reise. Unser Zimmer hat keine Dusche, sondern nur eine Badewanne. Das ist auch sehr angenehm, endlich kann man mal im Sitzen, bzw. im Liegen duschen. Wir haben Hunger und suchen ein gutes Lokal. Wir entscheiden uns für den "blauen Anker" am kleinen Hafen, wir können auf der Terrasse sitzen und die Schiffe beobachten die in dem kleinen Hafen festmachen. Micha ist es zu sonnig und er zergelt zwei Schirme an unseren Tisch. Er kämpft mit den Schirmen, denn der Wind dreht die Schirme immer und einen wirft er sogar um. Endlich hat er es geschafft, die Chefin bringt noch Wasser und gießt es in den Standfuß des Schirmes.
Wir essen mit Appetit, denn wir haben Hunger. Wir machen noch einen ausgiebigen Spaziergang durch die Stadt. Es ist ein sauberes und hübsches Städtchen mit 10.000 Einwohnern. Es war früher eine Ziegelstadt mit vielen Ziegelbrennerein. Die fertigen Ziegel wurden dann auf der Havel nach Berlin transportiert. Berlin war damals der größte Abnehmer. Jetzt werden keine Ziegel mehr gebrannt. Zehdenick hat eines der ältesten Nonnenklöster Brandenburgs, ein Ziesterzienser Kloster und es hat eine besondere Zugbrücke über die Havel. Die Zugbrücke ist 1996 anlässlich der 750 Jahrfeier nach alten Plänen neu erbaut worden, darauf sind die Zehdenicker sehr stolz, das habe ich alles in der Touristikinformation gelesen. Wir stellen uns auf die Zugbrücke und schauen dem Schleusenvorgang zu. Es geht alles automatisch.
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Die Boote die geschleust werden wollen, müssen an einem Steg hundert Meter vor der Brücke an einem Hebel ziehen, dann läutet es an der Brücke und nach einer Weile wird die Brücke hochgezogen, dann öffnen sich die Schleusentore hundert Meter hinter der Brücke. Es sind nur noch Touri - Boote die geschleust werden, Ziegel werden keine mehr verschifft. Wir gehen zurück in unser Hotel und essen ausgiebig Abendbrot.
Christoph gibt eine Lage auf seine 17.000 km, er ist sehr Stolz darauf und wir finden auch, es ist eine stramme Leistung. Wir stoßen auf die nächsten 17.000 mit ihm an. Er will aber erst einmal bis Jahresende noch 20.000 km schaffen. Ich wette mit ihm das er es nicht schafft, er nimmt die Wette an. Wir wetten um eine Lage für unser Superradelteam. Wir quatschen noch über die schöne Reise, die sich nun leider dem Ende zuneigt. Es ist richtig gemütlich, Micha gibt auch noch eine Runde. Reiner kann sich nicht entscheiden, ob er nun ein kleines oder ein großes Bier trinken will. Ich schlage der netten Kellnerin vor, ihm eins seiner Größe entsprechend zu bringen. Reiner bekommt ein Bier im Orginalglas, aber ganz mini, so groß wie ein Schnapsglas. Er lacht und meint, so klein wäre er aber nun doch nicht. Wir amüsieren uns köstlich über den Einfall der Kellnerin.
Peter gibt wie immer am ende des Tages die nächst Etappe bekannt, diesmal zum letzten mal. Es ist Oranienburg und es sind 34 km bis dort hin. Nachdem bezahlen unseres Abendbrotes bekommen wir von der netten Kellnerin noch einen besonderen Schnaps. Er nennt sich Leuchtturm, er sieht gut aus, rot, grün weiß, es sind gestapelte Liköre. Noch eine gute Idee! Die Frau ist wirklich gut. Wir suchen sehr heiter und in guter Stimmung unser Bett auf.
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